Lisa & Henry: Warum engagiert ihr euch?

0 Mal geteilt
0
0
0

Henry,

Wo und in welchem Bereich bist du denn politisch engagiert?

Ich bin seit etwa 2,5 Jahren in der Klimaszene aktiv. Ich bin sowohl in Protestbewegungen wie Fridays for Future, Extinction Rebellion oder Greenpeace, als auch bei Bündnis 90/Die Grünen und der Grünen Jugend. Dort versuche ich auf verschiedenste Wege, die Klimakrise mehr in den öffentlichen Fokus zu stellen und Menschen zu erreichen

Welche Faktoren haben dich dazu bewegt, politisch aktiv zu werden?

Die Klimakrise war mir eigentlich schon lange bekannt. Nach und nach wurde mir dann die Dringlichkeit immer bewusster, sodass ich mich entschlossen habe zu handeln. Glücklicherweise sahen das zum selben Zeitpunkt viele weitere Menschen in meinem Alter; und so kam ich zu Fridays for Future.

Was waren deine Erfolgsmomente in deinem bisherigen Engagement?

Mein Engagement hatte viele Ups and Down. Aber jedes Mal, wenn ich eine von mir mitgeplante Aktion in der Presse sehe und höre wie Menschen darüber reden, freue ich mich. Auch der Beschluss des Klimanotstands in Trier oder das Ergebnis der Europawahl 2019 waren Highlights bei mir.

Was würdest du Menschen raten, die gerne damit beginnen würden, gesellschaftlich oder politisch aktiv zu sein?

Hmmm, es gibt viele Möglichkeiten aktiv zu sein. Man kann auf so vielen Weisen für Gerechtigkeit kämpfen. Ob durch parlamentarische Arbeit oder Wahlkampf oder durch Demonstrationen und Aktionen: Um ein Ziel zu erreichen müssen alle Ebenen bedacht werden. Probier dich also aus und finde, was zu dir passt und wo du dich am besten einbringen kannst.

Ach ja: Und überarbeite dich nicht.

 Was hast du durch deinen eigenen Aktivismus gelernt?

Seitdem ich aktiv bin, hat so ziemlich die beste Zeit meines Lebens begonnen. Endlich habe ich einen Sinn gefunden, in dem was ich tue. Ich habe so viele unglaubliche Menschen kennen gelernt und so viel über Politik, Gesellschaft und Wissenschaft in Erfahrung bringen können. Ich habe gelernt was es heißt, für etwas einzustehen und seine Ziele zu verfolgen; Zu kämpfen für eine bessere Welt.

Was bedeutet die Bundestagswahl für dich?

Die Bundestagswahl ist wahrscheinlich die wichtigste Wahl, die es im Bezug auf die Klimakrise in Deutschland geben wird. Es könnte so viel Veränderung zum Guten hin geben, Fortschritte, die uns in der sozialökologischen Transformation endlich voran bringen. Aber es könnte auch alles bleiben, wie es ist. Es könnte sein, dass nicht genug Menschen diesen Schritt gehen und sich einen so dringenden Wandel trauen. Dabei ist es wohlmöglich unsere letzte Chance.

Ich werde diese Wahl nicht entscheiden können. Meiner Generation wurde keine Stimme gegeben. Doch ich hoffe auf die Menschen da draußen, dass sie ihre Stimme richtig einsetzen.

Lisa, 

Wo und in welchem Bereich bist du denn politisch engagiert?

Vor einem Jahr etwa habe ich mit einer Freundin zusammen den Account @cat.callsoftrier gegründet und setze mich so aktiv gegen die (verbale) sexuelle Belästigung von Frauen ein. Außerdem bin ich im Vorstand der Grünen Jugend Trier-Saarburg und Beisitzerin im Vorstand der Grünen Trier. 

Welche Faktoren haben dich dazu bewegt, politisch aktiv zu werden?

Ich hatte das Glück in einer sehr feministischen sowie politisch und kulturell bewanderten Familie groß zu werden und habe somit quasi gar keine andere Wahl gehabt als Feministin zu werden und mich bei den Grünen zu engagieren. Diverse (teils hitzige) Gespräche und Debatten am Küchentisch haben mich definitiv schon früh geprägt. Als ich dann älter wurde, nahm auch der Austausch mit meinen Brüdern und deren Einfluss auf meine politische und soziale Sichtweise zu. Die beiden waren für mich schon immer das Wichtigste und haben sehr dabei geholfen mich zu dem Menschen zu machen, der ich heute bin.

Dass wir in einer patriarchalen Gesellschaft leben und es zu viel Ungerechtigkeit in diverser Hinsicht gibt, dass wir gerade darauf zu steuern, den Planeten zu zerstören, der uns das Leben ermöglicht und auch der Fakt, dass die Menschheit nicht weiter von Chancengleichheit entfernt sein könnte, haben mich letztendlich dazu bewegt selbst anzupacken und mein bestes zu geben, wenn auch nur in kleinem Rahmen.

Was waren deine Erfolgsmomente in deinem bisherigen Engagement?

Ich bin mir nicht sicher, ob man das wirklich Erfolgsmomente nennen kann, da ich (manche würden das als naiv bezeichnen) immer noch daran glaube, dass wir, wenn alle an einem Strang ziehen noch so viel erreichen können – sowohl was politische als auch soziale Fragen angeht! Daher sind es eher kleine Dinge über die ich mich freue wie zum Beispiel, wenn jemand aus unserem Catcallsoftrier-Team beim Ankreiden angesprochen wird und dann mit Menschen ins Gespräch kommt, von unserem Projekt berichtet und so gegebenenfalls etwas im Kopf dieser verändert und wir so ein größeres Bewusstsein für die Ungleichheit in unserer Gesellschaft schaffen. Das ist schon ein ziemlich gutes Gefühl.

Was würdest du Menschen raten, die gerne damit beginnen würden, gesellschaftlich oder politisch aktiv zu sein?

Einfach machen! Ich weiß, dass es manchmal schwierig ist sich aufzuraffen oder alleine einem Verein o.ä. beizutreten – da ist die Hemmschwelle manchmal groß, das war sie bei mir auch lange. Ich kann aber aus eigener Erfahrung sagen, dass der Fall fehl am Platz zu sein oder als der/die Neue abgestempelt zu werden so gut wie nie eintritt (und falls doch: hinterfrage vielleicht nochmal die Gruppierung, der du da beitreten möchtest). Ich wurde bisher immer mit offenen Armen empfangen und genauso gebe ich es weiter: Wir kämpfen für dasselbe und jede*r sollte das Recht haben sich einzusetzen – jede helfende Hand kann etwas verändern!

 Was hast du durch deinen eigenen Aktivismus gelernt?

Ich denke, ich habe bereits einiges dadurch gelernt. Wenn ich die Frage auf mich persönlich beziehe würde ich sagen, dass ich vor allem an Stärke dazu gewonnen habe, ich bin im übertragenden Sinne gewachsen, fühle mich größer und sicherer. Ich sage meine Meinung und trete dafür ein, ich lasse mich nicht klein machen und nicht auf mein Geschlecht reduzieren. Ich mache den Mund auf, wenn mir etwas nicht passt oder meine persönlichen Grenzen überschreitet.  

Auf einer allgemeineren Ebene habe ich allerdings auch gelernt, dass es frustrierend sein kann, sich zu engagieren. Mensch ist gewissermaßen in einer Bubble, in der Leute sich einsetzen, mensch hat das Gefühl etwas zu verändern. Es gibt dann aber oft den Moment, in dem die Konfrontation mit der „Wirklichkeit“ stattfindet und bewusst wird, dass sich nur ein sehr sehr kleiner Teil verändert. Das soll keinesfalls pessimistisch klingen! Ich würde mir viel eher wünschen, dass mehr Menschen die Erfahrung machen, wie es sich anfühlt, sich für eine Sache einzusetzen und das an der Seite von Mitstreiter*innen – dann lässt sich die Frustration auch leichter ertragen 12.

(Anmerkung: „mensch“ verwende ich hier als Ersatz für das Pronomen „man“)

Was bedeutet die Bundestagswahl für dich?

Das mag übertrieben klingen aber es ist ehrlich: Die Bundestagswahl bedeutet alles für mich. Abgesehen davon, dass es die erste ist, bei der ich meine Stimme abgeben darf, war es meiner Meinung nach noch nie so entscheidend (Das mag daran liegen, dass ich erst 20 bin aber so nehme ich es halt wahr!), welche Parteien in den Bundestag ziehen, wer die Koalition bildet und welche Partei den/die Kanzler*in stellt. Wir bekommen die Chance zu wählen, ob wir diesen Planeten für nachfolgende Generationen unbewohnbar machen oder ob wir endlich handeln und klimaneutral werden, auch wenn das alleine natürlich nicht ausreicht. Wir entscheiden mit unserer Stimme darüber, ob die Schere zwischen Arm und Reich noch größer wird oder wir dagegen ankämpfen. Wir entscheiden, ob wir weiter in patriarchalen Systemen leben möchten oder ob wir diese aufbrechen und eine Chancengleichheit und Gerechtigkeit erkämpfen, von der alle profitieren. Wir entscheiden darüber, ob wir weiterhin Lebewesen auf eine verstörende Art und Weise behandeln wollen, um sie dann zu schlachten oder ob wir für artgerechte Haltung (insofern man Tieraufzucht zur Ernährung von Menschen so bezeichnen kann) eintreten sowie Vegetarismus & Veganismus fördern.

Wir haben die Möglichkeit über so vieles zu entscheiden, deshalb bedeutet mir diese Wahl sehr viel.

0 Mal geteilt
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You May Also Like

Einfach mal was zurückgeben

Seit Juni 2019 verbringt Nadine freiwillig Zeit mit einem Großvater, der nicht ihr eigener ist. Sie engagiert sich…

Lichtblicke aus aller Welt

Die ganze Welt befindet sich im Ausnahmezustand – mittlerweile ist „Verzicht“ für die Wenigsten ein Fremdwort. Sorgen entstehen,…