Tri:er:leben?

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Nach dem Abitur oder Bachelorstudium umziehen, eine neue Stadt erleben, Menschen kennen lernen. Einen neuen Lebensabschnitt wagen und sich ein Stück mehr selbst entdecken. Soweit der Plan. Und die Realität? Seit mehr als einem Jahr spielen sich unsere Leben online ab: Home Office, Zoom-Konferenzen, digitales Studieren. Was macht das mit den Menschen, die die Stadt Trier und ihr Studium dort erleben woll(t)en?

Im Gespräch mit vier Neu-Studentinnen über ihre ersten Semester ohne Audimax und Mensa: Umziehen nach Trier? Geheimtipps, die zu Lieblingsorten wurden und vielleicht doch der ein oder andere Vorteil der digitalen Lehre.

12.293 Studierende zählte die Universität Trier 2019.

1.767 Studierende schrieben sich im Wintersemester 2019/2020 neu ein.

Vera studiert Psychologie im Master. Im April 2020 zog sie aus Freiburg nach Trier. Das Studentenleben kennt sie bereits aus ihrem Bachelorstudium. Trotzdem: Einführungsveranstaltungen sind wichtig, nur die digitale Version davon fühlte sich für Vera falsch an. Es ist nicht das Gleiche, sich zu Hause mit einem Getränk vor den Laptop zu setzen, nur, um ihn nach ein paar Stunden wieder mit schweren Augen und verkrampften Mundwinkeln zu zu klappen. “An der Uni”, sagt Vera, “war ich zum ersten Mal, als ich meine erste Prüfung hatte.”

“An der Uni war ich zum ersten Mal, als ich meine erste Prüfung hatte.”

Vera

Veras Glück: Ihre Mitbewohner studieren das Gleiche wie sie. Mit ihnen versteht sie sich gut. “Alle Menschen, die ich in Trier kenne, sind meine Mitbewohner. Oder Freunde meiner Mitbewohner. Das passt echt gut, aber das hätte auch anders laufen können!”

Veras Lieblingsorte in Trier: Die Mosel und der Tierpark im Wald (Trier West) mit seiner Aussicht auf die Innenstadt


Maybritt studiert seit dem Wintersemester 2020/2021 Innenarchitektur an der Hochschule in Trier.

Mit 17 weiteren Studierenden in ihrem Studiengang hatte sie zu Semesterbeginn genau einen Abend zum Kennenlernen in der Gruppe. Mit einem Fußmarsch durch die Trierer Innenstadt und Flunky Ball Partien genossen sie eine fast normale Ersti-Tour. Drei gute Freunde hat sie an diesem Abend gefunden. Bei diesen drei guten Freunden ist es (vorerst) geblieben.

Maybritts Augen strahlen trotz eingeschränkter Möglichkeit, wenn sie von Studium und ihrer Wohngemeinschaft erzählt. Mit ihrer Mitbewohnerin hat sie sich vorgenommen, Themenabende zu veranstalten. Eine Tapas-Nacht gab es schon.

“In jeder Situation kommt es auf die Perspektive an, von der man sie betrachtet. Man kann sich Sachen auch schön machen. Natürlich ist auch das ein großes Privileg und ich bin sehr dankbar dafür.”

Maybritt

Maybritts Lieblingsorte in Trier: Der Kreuzgang im Trierer Dom und das Moselufer


Sophie studiert Angewandte Geographie in Trier seit Herbst 2020. Sie ist (noch) nicht nach Trier gezogen. Für sie bedeutet ein Studium ohne Vorlesungen vor Ort eine Möglichkeit, privat in gewohnten Kreisen Kräfte sammeln zu können.

in neuer Lebensabschnitt nach dem Abitur und FSJ, den sie auch vorerst von zu Hause meistert. Auch Sophie hatte eine Einführungsveranstaltung in Präsenz. Geknüpfte Kontakte verlaufen aber ohne persönliche Nähe im Sand und regelmäßiger Austausch außerhalb von Zoom-Sitzungen kaum möglich. Nach ein paar Monaten pendeln zieht Sophie bald in ein Studentenwohnheim nahe Campus 2.

Sophies Lieblingsort in Trier: …ist noch zu entdecken


Leonie studiert Politikwissenschaft und öffentliches Recht und lebt seit März 2020 in Trier. Als selbsternannter “NC-Flüchtling” zog sie aus ihrer Heimatstadt Lüneburg ursprünglich für ein anderes Studium um. Für die räumliche Trennung zum Studienstart ist sie dankbar: Eine Woche vor dem ersten Lockdown betrat sie die Türen ihrer Wohngemeinschaft.

Ihr erstes Semester an einer Uni – und dann auch noch digital? Viele Dinge waren neu für Leonie. Ihre Schwester, die bereits einige Semester in einer anderen Stadt studierte, eine verlässliche Ansprechpartnerin.

Genau wie Vera hat Leonie die Uni-Gebäude am Tag ihrer ersten Prüfung zum ersten Mal von innen gesehen. Sie war überfordert, weiß aber auch, dass sie damit nicht die einzige war (und ist):

“Ich war nicht verlorener als die Uni selbst.”

Leonie

Eine ihrer Vorlesungen startete erst drei Wochen nach Semester- und Seminarbeginn.

Leonies Lieblingsorte in Trier: Kaiserthermen, Mariensäule, die Felder in Tarforst


Bei zwei Dingen sind sich alle einig:

1. Durch die digitale Lehre lässt sich Zeit besser selbst einteilen. Ob man sich Vorlesungen dreimal, keinmal, in doppelter oder halber Geschwindigkeit anhört, ist sich selbst überlassen.

2. Jede noch so freie Zeiteinteilung würden die vier jederzeit durch Veranstaltungen vor Ort eintauschen.

Andere Berichte über die Lage von Studierenden während Corona: “Studierenden in Rheinland-Pfalz geht die Luft aus“(SWR), “Sie wollen wieder an die Uni” (Spiegel), “Nicht noch ein Corona-Semester” (FAZ), “Die Vergessenen” (TAZ).

Du hast zum Wintersemester 2020/2021 oder Sommersemester 2021 dein Studium in Trier angefangen und hast was zu erzählen? Meld dich bei uns! 

Fotos: Sascha Stranen

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