Cedit: Pia Koch

Ach Süße… Alltagssexismus in Bildern

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Sie fragt mich, für wen ich mich schick gemacht habe. Die Frage stört mich. Mir ist nicht ganz klar warum. Egal. Sie ist schon wieder gänzlich aufs Kochen konzentriert. Ich gehe.

Ich müsse mich für jemanden schick machen. Für wen? Für die Männerwelt. Aber es ist mir egal, ob ich gefalle. Ich will nicht gefallen. Außer mir selbst. Ich schaue in den Spiegel, sehe meine roten Lippen und find mich ganz schön schick.

Er fällt mir ins Wort. Nennt mich Süße. Ich kenne dich garnicht. Habe ich das gerade nicht genau so gesagt? Ich werde leiser.

Ich könnte kotzen. Im Strahl. Was für ein egozentrisches Arschloch. Wiederhole doch meine Argumente. Erklär mir die Welt. Ich bin so dumm, so hilflos ohne dich. Wow, was hast du für ‘ne verschobene Wahrnehmung.

Sofort wandelt sich meine Wut in Scham. Ich bin zickig? Ohje. Ich entschuldige mich.

Du benutzt meine Periode als Schimpfwort. Demütigst mich. Machst dich über mich lustig. Aber ich finde das nicht lustig. Meine Gefühle haben auch eine Daseins-Berechtigung. Auch wenn’s dir nicht gefällt.

Ich bin auf einem Date. Kanu fahren. Ich, in kurzer Hose, schaue an mir runter: Fuck, Beine nicht rasiert. Krampfhaft überschlage ich meine Beine. Sie schlafen ein. Egal, Hauptsache er sieht es nicht.

Warum werde ich schräg angeschaut, wenn ich mich nicht rasiere? Oder: Warum schämen sich Männer nicht?

Im Club. Es ist laut. Er schreit es den anderen zu. Zeigt dann in meine Richtung. Mir steigt die Hitze ins Gesicht. Ich blicke zu Boden. Will weg hier.

Das Witzige ist: Werde ich im Netz als hässliche Emanze beschimpft, reagiere ich. Im Club, im realen Leben, kriege ich meinen Mund nicht auf. Ich werde objektiviert, sexualisiert. Und auf den Boden der Tatsachen geholt. Fühle mich klein.

Es ist Karneval oder Fasching, wie man bei uns sagt. Er kommt auf mich zu. Ich kenne ihn nicht. Er greift zu, es tut weh. Er drückt mir seine nassen Lippen auf meinen Mund. Er stinkt.

Ganz klar kein Alltagssexismus, sondern weit darüber hinaus. Die Kommentare, die ich mir danach anhören durfte: Victim Blaming vom Feinsten. Danke für nichts.

Sexismus im Alltag kommt in allerlei Formen: sexistische Sprache, Kommentare zum Aussehen, Sexualisierung, Erniedrigung, um einige wenige zu nennen. Und nein, es ist nicht witzig. Es demütigt, schafft eine Atmosphäre von Unsicherheit und Angst. Und letztendlich bereitet es den Weg zur Gewalt, meist gegen Frauen.

Fotos: Pia Koch

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