Lio & Luisa: Warum engagiert ihr euch?

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Hey Lio, wo bist du gesellschaftlich engagiert?

Ich musste mein Engagement die letzten Monate leider ruhen lassen, da ich mich auf meinen Abschluss konzentrieren musste. Ich war früher in der Flüchtlingshilfe aktiv, dann in der feministischen Vernetzung in Trier. Ich sehe meine Kunst allerdings auch als politisches Engagement, da ich darüber versuche, öffentlich Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit für Themen wie Sexismus, Rassismus und Mental Health zu generieren.

Wow, das ist eine Menge! Welche Faktoren haben dich dazu bewegt, gesellschaftlich aktiv zu werden?

Ich war immer sehr politikinteressiert. Wenn Du Dich mit Politik auseinandersetzt, findest über kurz oder lang die Dinge, die Dich am meisten stören. Statt nur zu meckern und zu resignieren, versuche ich, meinen Teil zur Veränderung beizutragen. Ansonsten gehe ich ein.

Vielen Dank! Was würdest du Menschen raten, die gerne damit beginnen würden, gesellschaftlich oder politisch aktiv zu sein?

Sei Dir bewusst, dass Dir ein ganz schöner Happen gegenübersteht. Leider wird es auch Rückschläge geben. Du bist nur ein einzelner Mensch und kannst nur das leisten, was ein Mensch schaffen kann. Dazu gehört auch ein klares Zeitmanagement. Je nachdem, wo Du Dich engagierst, wirst du mit hässlichsten Seiten dieser Welt konfrontiert. Hier musst Du Dich abgrenzen, um nicht daran kaputt zu gehen. Aber hey, Du schaffst das! Du wirst Deine richtige Balance finden.

Bleib offen! Wenn Du Dich engagierst, kommst du vermutlich in eine Bubble von Gleichgesinnten und stößt immer wieder gegen die gleichen Probleme. Versuch, die Gegenseite trotzdem zu verstehen.

Gerade, wenn du Menschen hilfst, begegne diesen unbedingt auf Augenhöhe. Du hilfst nicht, wenn Du Deinem Gegenüber signalisierst, dass Du mehr kannst und mehr weißt. Sei Dir bewusst, dass auch Du hier viel lernen kannst.

Was hast du durch deinen eigenen Aktivismus gelernt?

In der Flüchtlingshilfe lernte ich neue Lebenswelten und Kulturen kennen und schätzen. Jetzt kann ich mich schnell in anderen Kulturen zurecht finden und habe meine „Brille“ erweitern können. Ich habe den Wert der Empathie schätzen gelernt und mir wurde bewusst, wie privilegiert ich selbst lebe und was gegen Ungleichheiten zu tun ist. Außerdem bin ich unendlich dankbar dafür, dass ich hier eine meiner besten Freundinnen kennen lernen konnte, aber leider musste ich sehen, dass manche der Helfenden die Geflüchteten wie Dreck behandelt haben: es wurde rumkommandiert, von oben herab geredet, fremdbestimmt, mit Erwachsenen Menschen wie mit Kleinkindern gesprochen, Hilfsbedürftigkeit ausgenutzt und durch den Vorwurf der „Undankbarkeit“ Druck aufgebaut.  

In der Feministischen Vernetzung habe ich erfahren, wie empowernd Austausch ist und, dass es unglaublich viele Sichtweisen gibt. Menschen haben Verschiedenes erlebt, haben ihre eigenen Haltungen und können unterschiedlich viel ertragen. Hier habe ich gelernt, was Inklusivität wirklich bedeutet und auch dafür bin ich dankbar. Pluralismus ist ein Geschenk, solange keine der Meinungen andere Menschen verletzt und ausgrenzt.

Außerdem ganz praktisches Wissen über politische Abläufe und wie ich meine Stärken einsetzen kann und will.

Luisa,

Wo bist du denn politisch engagiert?

Ich bin nicht parteipolitisch, eher gesellschaftlich engagiert, habe aber teilweise politische Einstellungen zu Themen.

Wo und in welchem Themenbereich bist du denn gesellschaftlich engagiert?

Ich arbeite an der Uni im weitesten Sinne zur Aufarbeitung des Antisemitismus und gegen heutigen Antisemitismus im Fach Geschichte, indem ich als Mitarbeiterin im Projekt Erinnerungsorte der Großregion tätig bin, zudem bin ich Standortleiterin im Verein “Studenten bilden Schüler“, der sich für Bildungsgerechtigkeit einsetzt

Sehr interessant! Welche Faktoren haben dich dazu bewegt, gesellschaftlich aktiv zu werden?

Erst mal die Arbeit in einer Brennpunkt-Grundschule, die meinen Blick auf Chancenungleichheit im Bildungssystem gelenkt hat, aber auch mein Vater, der sehr links aktiv war, mein eigenes LGBTQ- Sein, was mir gezeigt hat, dass es noch viele Stereotype und Vorurteile und auch politische Ungleichheit gibt, und tiefere Einblicke in die Schwierigkeiten des akademischen Bildungssystems, allen voran das Wissenschaftszeitgesetz, welches Doktoranden und Postdocs ziemlich kasteit- ich hab mich da gefragt, warum diese Zustände politisch wenig geändert wurden.

Vielen Dank! Was würdest du Menschen raten, die gerne damit beginnen würden, gesellschaftlich oder politisch aktiv zu sein?

Ich würde raten etwas zu machen, was einen wirklich bewegt, und wofür man wirklich kämpfen möchte- ob jetzt persönlich oder für andere. 

Was hast du durch deinen eigenen Aktivismus gelernt?

Ich habe gelernt, dass man Probleme in der Gesellschaft und Politik oft nur dann sieht, wenn man wirklich viel mit den Leuten zu tun hat, die sie betreffen, und sich nicht von irgendwelchen Phrasen beeinflussen lassen sollte, die politisch so benutzt werden.

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