Verhüten mit der symptothermalen Methode

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Disclaimer: Wir (Mit Sicherheit Verliebt (MSV) Trier) möchten keine Empfehlungen aussprechen oder beraten! Unsere Texte sind lediglich als Input zu verstehen, zu denen sich jeder und jede eine eigene Meinung bilden sollte. 
Wir sind keine MedizinerInnen! Die Informationen, die wir in unseren Texten verwenden, sind selbstverständlich gut recherchiert und durch mehrere Quellen abgesichert, können aber keinesfalls ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen!

Auch wenn dieser Text von Mitgliedern der MSV-Lokalgruppe Trier geschrieben wurde, repräsentieren wir nicht die Ansichten des gesamten Mit Sicherheit Verliebt-Projekts oder die der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (BVMD). 

Verhüten ohne Hormone? Das geht zum Beispiel mit der Methode der „Natürlichen Familienplanung“ (NFP), auch Symptothermale Methode genannt.
Was ihr euch darunter vorstellen könnt, wie diese Methode funktioniert und welches Hintergrundwissen dafür wichtig ist, erfahrt ihr in diesem Text.
(Um diese Methode selbst sicher praktizieren zu können, solltet ihr euch aber unbedingt über den Text hinaus noch weiter informieren. Zum Beispiel mit Hilfe der von uns angebenen Quellen oder im Gespräch mit eurem Gynäkologen oder eurer Gynäkologin.)

Interessiert euch, welche Erfahrungen andere bereits mit dieser Methode gemacht haben? Dann scrollt ganz nach unten, zu den Erfahrungsberichten.

Ein paar begriffliche Hinweise

Die Rede ist von „natürlicher“ Familienplanung, weil hierbei keine Hormone zum Einsatz kommen, sondern verschiedene Zeichen des Körpers gedeutet werden, um fruchtbare bzw. unfruchtbare Phasen des Zyklus festzustellen. Auch das Wort „Familienplanung“ kann eventuell irreführend sein. Die Methode eignet sich gleichermaßen dafür, fruchtbare Phasen im Zyklus festzustellen, in denen es bei ungeschütztem Sex möglicherweise zu einer Schwangerschaft kommen könnte bzw. unfruchtbare Phasen zu identifizieren, in denen es bei ungeschütztem Sex höchstwahrscheinlich nicht zu einer Befruchtung kommt. Sie kann deshalb zur Verhütung genutzt werden oder um eine Schwangerschaft zu planen.

Es gibt verschiedene Methoden der natürlichen Familienplanung (NFP), z.B. die Temperaturmethode oder die (Vaginal-)Schleim-Methode nach Billings. Die sicherste Methode der natürlichen Familienplanung oder natürlichen Fruchtbarkeitswahrnehmung ist die Symptothermale Methode, welche eine Kombination aus beidem ist [1].

Kurze Zykluskunde

Der Zyklus beginnt immer mit dem ersten Tag der Menstruation (1. Blutungstag = 1. Tag des neuen Zyklus) und endet mit dem letzten Tag vor der nächsten Menstruation.
Auch wenn in vielen Biologiebüchern oft von einer 28-tägigen Zyklusdauer gesprochen wird, ist das nur ein durchschnittlicher Wert. Bei vielen Menschen mit Gebärmutter variiert der Zyklus und kann deutlich kürzer oder länger als 28 Tage sein. Auch der Eisprung findet nicht immer am 14. Tag statt, er variiert von Person zu Person, folgt aber jeweils einer gewissen Regelmäßigkeit und findet ungefähr zur Hälfte des Zyklus statt.

Der Zyklus lässt sich so in zwei Phasen einteilen, die durch den Eisprung getrennt werden. Die erste Phase ist die „Eireifungsphase“ oder „Follikelphase“ (Follikel = Hülle, die die Eizelle enthält, Eibläschen [2],[3]). Ihre Dauer kann von Zyklus zu Zyklus einer Person verschieden sein und ist anfällig für äußere Einflüsse wie z.B. Stress. Die zweite Zyklusphase, die „Gelbkörperphase“ (Gelbkörper = zusammengefallenes Eibläschen, umgewandelt in eine Drüse [2]) ist immer zwischen 10 und 16 Tagen lang.

Kommt es zu einem Eisprung ist die Eizelle nur max. 24 Stunden befruchtbar. Allerdings muss beachtet werden, dass Spermien bis zu 5 Tage (manchmal wird sogar von bis zu 7 Tagen gesprochen!) in der Gebärmutter überleben können. Das bedeutet, auch wenn 5 Tage vor dem Eisprung ungeschützter Sex stattgefunden hat, kann es zu einer Befruchtung kommen.

Bild 1: Beispielhafter Zyklus von 28 Tagen. Rot: Menstruation; hellgrün: Befruchtung möglich; dunkelgrün: Eisprung, Fruchtbarkeitsfenster; hellgrün: Befruchtung möglich; blau: Gebärmutterschleimhaut verdickt sich

Die Symptothermale Methode

(Die folgenden Angaben stützen sich auf das Buch der Arbeitsgruppe NFP “Natürlich und Sicher: Das Praxisbuch” [2].)

Bei der Symptothermalen Methode werden mehrere Methoden der natürlichen Fruchtbarkeitswahrnehmung kombiniert: meist die Temperaturmethode mit der Zervixschleim-Methode (Zervix = Gebärmutterhals) bzw. der Begutachtung des Gebärmutterhalses.
Ziel dabei ist es, festzustellen, wann eine fruchtbare oder unfruchtbare Phase im Zyklus anzunehmen ist. Der Zyklus beginnt und endet jeweils mit einer unfruchtbaren Phase, dazwischen liegt die fruchtbare Phase (Beispiel siehe Bild 1). Die Dauer dieser Phasen unterscheidet sich von Person zu Person und kann erst nach der Beurteilung mehrerer Zyklen sicher bestimmt werden!

Die Beobachtungen werden jeden Tag auf einem spezifischen Zyklusblatt (online verfügbar z.B. unter: https://www.sensiplan-im-netz.de/?page_id=224) oder in einer bestimmten App eingetragen, sodass man stets eine Übersicht hat.

Wenn man während der fruchtbaren Phase Vaginalsex haben möchte, muss – um eine ungeplante Schwangerschaft zu verhindern – auf Barrieremethoden, wie z.B. Kondom, Femidom oder Diaphragma zurückgegriffen werden.

Wichtig: Nur mit Femidom oder Kondom ist man zusätzlich vor sexuell übertragbaren Krankheiten geschützt!

Welche Körperzeichen werden gedeutet?

Über den Verlauf des gesamten Zyklus hinweg, wird jeden Morgen nach dem Aufwachen mit einem Thermometer, dass zwei Stellen nach dem Komma anzeigt (Basalthermometer, siehe Bild 2), die Körpertemperatur gemessen (entweder im Mund, in der Vagina oder im Anus). Außerdem wird wahlweise die Qualität des Zervixschleims (Aussehen & Konsistenz) beobachtet oder der Zustand des Gebärmutterhalses (Festigkeit & Lage) beurteilt.

Wie verändern sich diese Körperzeichen im Laufe des Zyklus?

Zu Beginn des Zyklus ist die Temperatur eher niedrig. Nach dem Eisprung steigt sie dann merklich an. Können drei Messungen verzeichnet werden, die deutlich höher sind, als die sechs vorausgegangenen Messungen, ist das ein Zeichen für den Beginn der unfruchtbaren Phase nach dem Eisprung. Bis zum Einsetzen der Menstruation bleibt die Temperatur auf diesem hohen Niveau und fällt dann wieder ab. Einen beispielhaften Temperaturverlauf könnt ihr euch z.B. auf dieser Seite anschauen: https://www.frauenaerzte-im-netz.de/familienplanung-verhuetung/natuerliche-familienplanung/fruchtbare-tage-selbst-bestimmen-methoden/.

Bild 2: Foto eines Basalthermometers. Wichtig ist, dass immer zwei Stellen nach dem Komma angezeigt werden, das ist bei “normalen” Fieberthermometern oft nicht der Fall.

Nachdem die Blutung abflaut, ist der Zervixschleim zunächst eher bräunlich oder rötlich und dann vielleicht gar nicht mehr vorhanden bzw. nicht zu sehen. Auch der Eingang zur Vagina fühlt sich dann eher trocken an. Im Laufe des Zyklus wird der Zervixschleim dann eher trüb, weißlich oder gelblich und ist eher von cremiger, dicklicher Konsistenz. Je näher der Eisprung rückt, desto mehr Schleim wird gebildet. Dieser ist dann klarer, durchsichtiger und dehnbar. Konsistenz und Aussehen werden zu dieser Zeit oft „wie Eiweiß“ beschrieben. Nach dem Eisprung entwickelt sich der Vaginalschleim wieder zurück, wird weniger und trüber, bis dann schließlich die Menstruation einsetzt. Oftmals sammelt sich ein Teil des Zervixschleim den Tag über in der Unterhose, sodass seine Qualität so leicht beurteilt werden kann.

Der Gebärmutterhals ist zu Beginn der Menstruation noch geöffnet und weich, sodass das Blut abfließen kann. Nach der Menstruation ist er dann geschlossen und hart. Er ragt dann tief in die Vagina hinein und ist gut mit dem Finger tastbar. Wenn der Einsprung näher rückt, wird der Gebärmutterhals weicher, er steigt höher und kann manchmal kaum noch mit dem Finger erreicht werden. Nach dem Eisprung wird er dann wieder härter und steht tiefer.

Wie ihr sicher merkt, ist die Methode der natürlichen Fruchtbarkeitswahrnehmung ziemlich komplex! Sie erfordert viel Übung und Erfahrung und beinhaltet außerdem verschiedene Regeln und Besonderheiten, auf die in diesem Text nicht vollständig eingegangen werden konnte.
Wenn ihr Lust habt diese Methode auszuprobieren, besucht doch eine der Webseiten, die wir in unseren Quellen aufgelistet haben oder fragt eure Gynäkologin oder euren Gynäkologen.

Kosten

Thermometer (ca. 10 Euro) + evtl. Schulung zum Erlernen der Methode (Kosten variieren) + evtl. Handbuch (ca. 18 Euro, oft gebraucht günstiger!) + evtl. App

Sicherheit

1. Versagerrate bei pefekter Anwendung: 0.4 %

2. Versagerrate bei typischer Anwendung: 1,8 % – 2,6 %

(Anmerkung der BZgA: Daten wurden bei Frauen erhoben, die in der Anwendung der Methode gut geschult waren! [4])

Angelehnt an die Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geben wir in diesem Text immer die Versagerrate (Wie viel Prozent der Frauen wurden im ersten Jahr der Anwendung schwanger?) in Form von zwei Zahlen an:

1. Verhütungssicherheit bei perfekter (konsequenter, 
   fehlerfreier) Anwendung = Sicherheit im Idealfall

2. Verhütungssicherheit bei typischer Anwendung, realistischeres 
   Bild

BZgA: „die Angaben zur Verhütungssicherheit basieren auf hochwertigen internationalen Studien. Trotzdem haben sie nur eine begrenzte Aussagekraft, da in verschiedenen Studien sehr unterschiedliche Werte ermittelt werden. Grund dafür ist, dass die Zuverlässigkeit einer Verhütungsmethode von mehreren Faktoren abhängt und zum Beispiel in verschiedenen Bevölkerungsgruppen oder Regionen variiert.“ ([4], S.2)

Erfahrungsberichte

Wir haben zwei junge Frauen, die die NFP-Methode praktizieren, gebeten, sich mit den folgenden Fragen auseinanderzusetzen und diese ehrlich zu beantworten.
Es handelt sich hierbei um reale Personen!

Bitte beachtet, dass es bei Verhütungsmethoden eine große Vielfalt gibt und jede Methode ihre Vor- und Nachteile hat. Jede Person kann ganz frei und nach ihren eigenen Bedürfnissen und Lebenslage eine Methode wählen. Es soll hier nicht in „bessere“ und „schlechteren“ Methoden differenziert werden.


Wie genau verhütest du?

Wir nutzen eine kombinierte Methode. Im Zuge der NFP messe ich täglich meine Temperatur und beobachte meine Zervixflüssigkeit (häufiger auch Zervixschleim genannt), also der Schleim, der im Gebärmutterhals gebildet wird. An fruchtbaren Tagen benutzen wir ein Kondom.“

„Mein Freund und ich verhüten mit Kondom und Diaphragma. Außerdem messe ich jeden Morgen meine Körpertemperatur und beurteile den Tag über meinen Zervixschleim. Außerdem ertaste ich den Gebärmutterhals.“

Wie lange verhütest du schon auf diese Weise?

Seit ca. 6 Jahren, wobei die Zeit während der Schwangerschaft mit meiner Tochter und die anschließende Stillzeit davon ausgenommen sind.“

„Kondom und Diaphragma nutzen wir seit ungefähr 3 Jahren und seit etwas mehr als 2 Jahren beobachte ich meine Körperzeichen, also Zervixschleim und Gebärmutterhals und messe meine Temperatur. In manchen Monaten sehr konsequent in anderen weniger. Trotzdem haben mein Freund und ich jetzt erst zum ersten Mal in einer unfruchtbaren Phase auf zusätzliche Verhütung durch Kondom bzw. Diaphragma verzichtet. Ich wollte sichergehen, dass ich die Körperzeichen wirklich sicher deuten und auswerten kann. Aber sicherlich braucht nicht jede Person so lange, sondern gewinnt schon früher, nach einigen Monaten, Sicherheit im Umgang mit der NFP- Methode.“

Wieso hast du dich (bzw. du und dein Partner) für diese Verhütungsmethode entschieden?

Ich hatte schon länger keine Lust mehr auf hormonelle Verhütungsmethoden. Ich habe viele Jahre die Pille genommen und dann auch den Verhütungsring benutzt. Allerdings haben mit der Zeit die Nachteile, also vor allem psychische Nebenwirkungen, überwogen, so dass ich etwas anderes wollte. Eine Zeit lang haben wir dann nur mit Kondom verhütet. Ein Podcast hat uns dann auf NFP gebracht.“

„Ich hatte längere Zeit den Wunsch nicht weiter hormonell zu verhüten, weil ich das Gefühl hatte, dass dies sich auf meine Lust auf Sex und meine psychische Verfassung auswirkt. Erst habe ich überlegt, mir die Kupferspirale einsetzen zu lassen, aber dann war mir das Risiko zu groß, dass ich sie vielleicht nicht gut vertrage und dann umsonst Geld investiert habe bzw. mich diesem Eingriff unterzogen hätte. Kondom und Diaphragma verwenden wir zusammen, weil es sich für uns einfach zu unsicher anfühlte nur mit Kondom zu verhüten. Insbesondere dann, wenn ich fruchtbar bin. Ich hatte dauernd den Gedanken „Was wenn jetzt das Kondom abrutscht?“. Jetzt wissen wir, dass falls das passieren sollte, es trotzdem noch einen weiteren Schutz gibt.“

Was sollte man beachten wenn man diese Verhütungsmethode verwendet und was sind eventuell Probleme die auftauchen könnten?

Zunächst sollte man im Zweifel immer auf Nummer sicher gehen. Zu Beginn benötigt es ein solides Wissen. „Natürlich und sicher – das Praxisbuch“ ist dabei wohl das bekannteste Buch, aber auch profamilia und andere Stellen bieten vor allem auch im Internet viele Informationen. Dieses Wissen muss dann auf den eigenen Körper angewendet werden können. Gerade zu Beginn ist es nicht ganz einfach, die Feinheiten in den Temperaturunterschieden zu erkennen. Deshalb sollte man immer mind. zwei messbare Faktoren miteinander kombinieren – also Temperatur und Zervixschleim oder Tastung des Gebärmutterhalses.“

„Die symptothermale Methode erfordert einfach super viel Übung und Erfahrung. Um die unfruchtbare Zeit am Anfang des Zyklus zu beurteilen sollte man mindestens ein Jahr lang seinen Zyklus beobachtet haben. Und wichtig ist auch, dass man immer die Temperaturmessung mit der Beurteilung von Zervixschleim oder Gebärmutterhals kombiniert und sich nicht nur auf eines davon verlässt!“

Deiner Meinung nach, für wen eignet sich diese Methode (besonders) und wieso? (Beziehungsstatus, Lebensumstände, Alter…)

Ich denke, dass die Eignung von NFP nicht ausschließlich auf ein gewisses Alter oder Beziehungsstatus beschränkt ist. Bei NFP geht es vor allem darum, den eigenen Körper besser zu verstehen und das ist ja in jedem Alter eine gute Sache sein. Ein sehr unregelmäßiger Lebensstil, im Sinne von unregelmäßigen Schlafenszeiten, viel Stress, eignet sich nicht ganz so gut, da insbesondere die Körpertemperatur stark schwankt und dann schwerer zu interpretieren ist. Außerdem kann NFP natürlich nicht die Übertragung von sexuellen Krankheiten verhindern. Während des ersten Lebensjahres unserer Tochter haben wir auch kein NFP genutzt, da so viele hormonelle Veränderungen im Körper geschehen, dass Muster schwerer zu erkennen sind. Deshalb denke ich, in jedem Lebensabschnitt, in dem hormonell starke Veränderungen geschehen, ist es schwieriger NFP zu nutzen und eventuell sollte eher auf andere Verhütungsmethoden zurückgegriffen werden.“

„Ich würde diese Kombination aus NFP, Kondom und Diaphragma allen Personen empfehlen, die auf Hormone verzichten möchten aber auch bereit sind sich vorher damit auseinanderzusetzen, was wäre, wenn man schwanger werden würde. Außerdem erfordert es schon mehr Aufwand als beispielsweise die Spirale, weil man einfach immer daran denken muss.“

Was ist der häufigste (Irr-)glaube, den Personen mit „deiner“ Verhütungsmethode verbinden und was würdest du dem entgegnen?

Der häufigste Kommentar, den ich gehört habe, war: „Naja wenn man eh schwanger werden will, ist das wohl der richtige Weg.“ Das basiert auf der Annahme, dass ausschließlich die Temperatur gemessen wird und das ist tatsächlich nicht ganz so sicher. Kombiniert man die verschiedenen Methoden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr viel höher, seine fruchtbaren Tage richtig zu erkennen. Und dann gibt es auch gewisse Regeln, die in der NFP Methode erklärt werden, die sehr auf eine sichere Verhütung ausgelegt sind. Aber tatsächlich hat es uns auch geholfen, den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen um schwanger zu werden.“

„Dass das Überziehen von Kondom bzw. Einsetzen von Diaphragma störend ist bzw. den Sex unterbricht. Ich dachte das selbst am Anfang auch! Das Diaphragma kann man sogar einige Stunden vor dem Sex einsetzen. Für mich hat diese Art des Verhütens auch dazu geführt, noch einen kurzen Moment innezuhalten und mich zu fragen „Möchte ich gerade Sex haben und wenn ja, wie?“. Ich würde sagen, die Methode hat auch dazu geführt, verschiedenen Formen von Sex mehr Raum zu geben.“

Beeinträchtigt dich die Methode in deinem Alltag bzw. musst du irgendwelche Vorkehrungen/Veränderungen vornehmen?

Ich empfinde es nicht als große Beeinträchtigung, täglich die Temperatur zu messen und einzutragen. Die Prüfung des Zervixschleims passiert eh nebenbei. Aber natürlich ist es mehr Aufwand, als jeden Tag eine Pille zu nehmen oder eine andere Verhütungsmethode zu nutzen.“

„Um die NFP-Methode wirklich sicher zu praktizieren muss man sich schon jeden Tag mit seinem Körper auseinandersetzen. Die Körpertemperatur messen und im Laufe des Tages den Vaginalausfluss beurteilen oder den Gebärmutterhals ertasten. Das dauert alles nur wenige Minuten bzw. passiert irgendwann als Routine, aber ein bisschen Übung braucht es schon.“

Gab es etwas, was dich überrascht hat oder womit du nicht gerechnet hast, als du angefangen hast, die Verhütungsmethode zu anzuwenden?

Ich fand es wirklich spannend, vieles über den eigenen Körper zu erfahren bzw. das eigene Erleben durch Wissensaneignung bestätigt zu bekommen. Gerade in der Schule lernt man ziemlich wenig, über den weiblichen Zyklus oder Empfängnisverhütung. Dabei wäre es doch für alle wichtig, zu wissen, wie das genau abläuft – auch um ein gewisses Tabu abzubauen. Das würde wahrscheinlich auch dazu führen, dass gerade junge Frauen weniger häufig hormonelle Verhütungsmethoden zu nutzen. Viele Frauen wissen aber auch aus eigener oder der Erfahrung von Freundinnen, dass ein Zyklus eben nicht zwangsweise 28 Tage hat und der Eisprung nach 14 Tagen stattfindet. Mich hat sehr überrascht, wie eindeutig doch die Zeichen sind, die mein Körper mir sendet und dass es eben gar nicht schwer ist, dass dann auch zu deuten.“

Für mich war das tollste nach einigen Monaten, die ich meinen Zyklus beobachtet habe zu merken: „Krass, das funktioniert echt jeden Monat nach dem gleichen Muster“ und es gibt einfach einen gewissen Zeitraum, in dem ich überhaupt nur fruchtbar bin. Für mich war es, als hätte ich noch einmal einen ganz anderen Zugang zu meinem Körper gefunden.“

Die Sicht des Partners:

Ich finde es gut, dass wir nicht länger auf hormonelle Verhütungsmittel angewiesen sind, sondern NFP nutzen zu können. Ehrlicherweise musste ich mich nicht ganz so stark damit auseinandersetzen wie meine Partnerin. Wichtig ist, dass man sich dabei aufeinander verlassen und Entscheidungen gemeinsam treffen kann.“

Als ich mit meiner Freundin zusammengekommen bin, haben wir viel über Verhütung gesprochen. Ich finde es unfair, welchen Belastungen Frauen durch hormonelle Verhütung ausgesetzt werden können. Rein mit Kondomen zu verhüten schien mir allerdings auch zu unsicher. Eine Kombination aus Diaphragma und Kondome erschien und erscheint mir heute immer noch als nicht nur sicher, sondern auch als sehr gerecht, da wir beide kurz vorm Geschlechtsverkehr – gleichzeitig jeweils für uns – ein paar Sekunden mit den Verhütungsvorkehrungen beschäftigt sind, um dann wieder beieinander zu sein. So wartet niemand auf den/die andere und beide Teilen sich die Verantwortung der Verhütung. Durch die zusätzliche Anwendung der symptothermalen Methode können wir beide nicht nur ein besseres Gefühl für den Körper meiner Freundin gewinnen, sondern auch in unfruchtbaren Phasen ohne Sorge auf Kondom und Diaphragma verzichten. Obwohl meine Freundin die Temperaturmessung übernimmt, ist es mir trotzdem wichtig, die unfruchtbaren Phasen gemeinsam zu errechnen, um somit die Verantwortung wieder möglichst gemeinsam zu tragen.“

Möchtest du sonst noch etwas sagen?

Egal welche Verhütungsmethode genutzt wird, ist es wichtig, nicht unhinterfragt einfach eine Methode hinzunehmen und sich zu denken: Wird schon klappen. Das Gespräch mit dem Partner/der Partnerin und auch mit Fachleuten oder Menschen mit einem großen Erfahrungsschatz ist hierbei unheimlich wichtig. Im Zweifel würde ich immer auf Nummer sicher gehen.“


Quellen:

[1] https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/fruchtbarkeitswahrnehmung

[2] NFP-Buch, Malteser Arbeitsgruppe NFP (Hrsg.): Natürlich und sicher. Das Praxisbuch. 18. Auflage. Stuttgart 2011.

[3] https://www.frauenaerzte-im-netz.de/familienplanung-verhuetung/natuerliche-familienplanung/weiblicher- zyklus-wann-sind-die-fruchtbaren-tage/

[4] Broschüre BzgA “Sichergehen – Verhütung für sie und ihn”:
https://www.bzga.de /infomaterialien/familienplanung/familienplanung/verhuetung/sichergehn-verhuetung-fuer-sie-und-ihn/


Weitere hilfreiche Links:

https://www.nfp-online.com/?page_id=3768

https://www.cyclotest.de/natuerliche-familienplanung/symptothermale-methode/


Beitragsbild: Dainis Graveris via Unsplash

Grafiken im Text und Text: Lisa von Glahn



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